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Bergsteigen in Chile und Bolivien
Im Reich des Condors

Kurzfassung des Reiseberichts Nordchile/Bolivien 1996
(C) Hartmut Bielefeldt 1996

Kurzzusammenfassung - Berge
Cerro de Pajonal4930 m
Cerro Colorado5748 m
Cerro Sairécabur5971 m
Volcán Lascar Westgipfel5500 mnur bis zum Westgipfel
Cerro de Taapacá5775 m
Volcán Parinacota6342 m
Cerro Huayna Potosí6088 m
Nevado Illimani6460 m

Dummerweise ist uns die ursprünglich geplante Reise zehn (!) Tage vor der Abreise abgesagt worden (ein "namhafter deutscher Bergreiseveranstalter"...). Da müssen wir wohl das Beste daraus machen. Im nachhinein besehen, ist uns das sicher gelungen.
Also schnell einen Flug nach Santiago gebucht, und da sieht man dann schon weiter. Der nächste Schritt ist der Überlandbus in den Norden, nach Calama. Die Weite und Kargheit dieser Landschaft erschüttert beim zweiten Besuch kaum mehr, aber faszinierend bleibt es: Manchmal liegen die kleinsten Ortschaften hundert Kilometer auseinander. Mit einem Mietwagen "erfahren" wir uns die weitläufige Gegend und nutzen das hochgelegene Land (3500-4500 m) um den Salar (Salzsee) de Atacama zur Akklimatisation. Dabei besuchen wir einige Fünftausender, darunter (am dritten Tag seit Calama) den 5971 m hohen Cerro Sairécabur, den höchsten Berg der Gruppe. Vor zweieinhalb Tagen waren wir noch auf 2000 m, und ohne die Sicherheit des Autos wäre eine solche "Höhenanpassung" nicht möglich.

Auf dem Weg nach Socompa
Auf dem Weg nach Socompa, zweihundert Kilometer Salz und Wüste


Eigentlich hatten wir als Höhepunkt dieser Woche den 6739 m hohen Llullaillaco etwas weiter im Süden angepeilt, aber ohne Permit können uns die Carabineros an der Grenzstation Socompa-Paß nicht weiterlassen. Und ihre Hilfe bräuchten wir, um im verminten chilenisch-argentinischen Grenzgebiet sicher zum Berg zu gelangen. Auch wenn diese am letzten Ende der Welt Dienst schiebenden Beamten ordentlich ihre Pflicht tun (müssen), sind sie sehr erfreut über unseren Besuch und genauso herzlich wie jedermann in diesem Land.
Die Straße von Socompa zum Salar de Atacama berührt über 200 km keine Siedlung und fast keine einzige Pflanze am Straßenrand. Der einzige Verkehr sind Lastwagen, die Lithium und Borax aus der Förderung der Litio Chileno inmitten des Salars zur Bahnlinie Antofagasta-Socompa bringen. Dieses Unternehmen ist (nach unseren Informationen) der weltgrößte Lithium-Produzent.
Zurück am Salar, versuchen wir uns an der Besteigung des aktiven Vulkans Láscar, die leider sozusagen wegen Planungsmängeln scheitert. Der Vulkan ist nämlich 5675 m hoch und nicht 5175, wie in der Karte angegeben. Hätte ich aber die Höhenlinien sorgfältig nachgezählt, hätte das auch mir auffallen können. So bleibt es beim Vorgipfel.

Lupinien vor dem Vulkan Lascar
Lupinien an einer steingedeckten Wasserleitung am Vulkan Láscar, Atacama.

Dafür fahren wir am nächsten Tag in die Urzeit zurück. Vorher allerdings ein peinliches Auspark-Manöver: Drei Tage lang waren wir an diesem Platz, und die ganze Zeit war die "Straße" leer. Aber gerade als ich rückwärts aus der Sanddüne ausparke, kommt ein Militärlastwagen daher. Wer schaut sich in der Wüste denn schon um, wenn er zurücksetzt? Glücklicherweise wurde der Crash um etwa zehn Sekunden vermieden. Zur "Urzeit": Das ist die Laguna Lejía, ein auf etwa 4200 m gelegener eiskalter See (salzig, daher noch flüssig). Das Panorama entspricht ungefähr unserer Vorstellung der Erde vor einigen Milliarden Jahren. Vulkankegel und Rauchschwaden, keinerlei Vegetation, und nebenan einige unidentifizierbare Gerippe. Ein wahrlich heimeliger Ort!

Laguna Lejia
Laguna Lejía

Nach dem unumgänglichen Bad in den Baños de Puritama (sehr schön, aber nicht ohne Allradantrieb runterfahren) geben wir das Auto in Calama wieder ab. Nun zieht es uns nach Norden zu den etwas höheren Bergen, denn an den ganz großen Bergen weiter im Süden macht man im Mai keinen Stich.
Arica, die nördlichste Stadt Chiles, wurde erst im Salpeterkrieg um 1880 chilenisch. Im Friedensvertrag mit Peru und Bolivien wurde der Bau einer Eisenbahn nach La Paz festgelegt, die wir später benutzen werden. Vörläufig besichtigen wir die Stadt (1/2 Tag) und erkunden die Formalitäten für die Besteigung der Berge im Grenzgebiet zu Bolivien (1 1/2 Tage). Ganz generell benötigt man in Chile für die Besteigung eines Grenzberges eine Genehmigung, die bei der zuständigen Provinzregierung beantragt wird. Im Falle des Vulkans Parinacota (Grenze zu Bolivien) ist das die Provinz Parinacota, Hauptstadt Putre. Also reisen wir dorthin, und die Hauptstadt entpuppt sich als gemütlicher 1200-Seelen-Ort. In der Beschaffung des Permits ist man uns soweit behilflich, wie man kann. Das geht alles per Fax und eigentlich sehr fix, aber nun ist leider das Wochenende dazwischen. Das würde uns allerdings in sogenannten "zivilisierten" Ländern wie Deutschland nicht anders gehen, eher noch schlimmer. Wir vertreiben uns die Zeit auf dem Cerro Taapaca, 5875 m, für den man keine Genehmigung braucht. Witzigerweise gibt es am Gipfel alte Ski-Abfahrtsspuren.
Am Montag morgen ist das Genehmigungs-Fax tatsächlich da. Die örtlichen Carabineros verweisen uns an die Carabineros in Caquena, den nächstgelegenen Ausgangspunkt.
Einige Stunden lang versuchen wir, per Autostop aus Putre herauszukommen, aber leider ist das an einem Ort am Ende einer Stichstraße nicht von Erfolg gekrönt. So nehmen wir uns am Ende doch ein Taxi - ein nicht billiges Vergnügen. Der Preis ist aber dem Erlebniswert angemessen, überholende Radkappen inbegriffen. In Caquena ist die erste Frage des Carabinero sinngemäß "In Caquena? Was wollt Ihr denn hier?" Verständlich, denn der übliche Verkehrsfluß hier ist ein Auto pro Woche (und unser Taxi war jetzt ja schon da). Nach Vorweisen des Permits wird er erheblich freundlicher und lädt uns auf einen Kaffee ein, bis seine Kollegen von der Patrouille zurück sind. Wir erfahren so manches über Chile und die chilenische Sicht der Verhältnisse in Südamerika. Übernachten werden wir beim Dorfschullehrer (in Chile herrscht Schulpflicht), der gerade seine Dissertation im Licht einer Gaslampe in eine Schreibmaschine hämmert. Auch hier gibt es viele interessante Informationen über das Land und seine Bewohner.

Pallachata-Vulkane von Caquena aus gesehen
Die Pallachata-Vulkane, von Caquena aus gesehen, mit hiesigen Wolleträgern im Vordergrund.

Der Anmarsch zum Berg gestaltet sich eher lang und auch ein wenig lästig wegen der Hunde, die es nicht aufgeben uns zu folgen. Eine grasende Lamaherde, die gar kein Verständnis für Hunde hat, entledigt uns wenigstens eines der zwei Probleme. Nachdem wir die Sumpfwiesen um Caquena verlassen haben, begegnen uns noch einige auf dieser Höhe (4700 m) ganz unerwartet prächtige Bäume, und dann beginnt das sandige Leben. Auf 5005 m finden wir einen Lagerplatz im schwarzen Vulkansand.

Bäume im Vulkansand (auf 4700 m!) auf dem Weg zum Parinacota
Bäume und Llareta-Hartpolsterpflanzen auf dem Weg zum Parinacota, auf 4700 m

Parinacota in Sicht, jetzt ist nur noch Sand im Weg!
Der Parinacota ist in Sicht, jetzt ist nur noch Sand im Weg...

Am nächsten Tag geht es an den Berg. Unser vierbeiniger neuer Freund läßt sich kaum abschütteln, aber vor den wirklich steilen Hängen machen wir ihn - unter großem Gewinsel - an einem Felsen fest (mit genügend zu Essen). Der Hang zum Kraterrand hinauf ist wie bei allen Vulkanen ohne Ende - erst wenn man oben steht, weiß man, daß es (im wesentlichen) vorbei ist. Beim Parinacota dauert der Weg vom Kraterrand zum Gipfel (6342 m) noch etwa eine halbe Stunde, aber der Krater ist sehenswert: etwa 2 km im Durchmesser mit 300 m tiefen fast senkrechten Wänden.
Nach der Abholung unseres Freunds übernachten wir nochmals auf 5005 m und marschieren am folgenden Tag in 3 1/2 Stunden nach Caquena.
Von Caquena findet sich dank der Vermittlung der Carabineros und des Dorfschullehrers gleich eine Mitfahrgelegenheit: Ein krankes Lama muß gerade nach Putre gefahren werden, und auf der Ladefläche ist noch Platz.
Wieder in Arica, fahren wir nach einer eintägigen Zwangspause (Strecke blockiert) mit der Bahn nach Bolivien. Das ist zwar recht touristisch (das erste Mal, daß wir mehreren Ausländern gleichzeitig begegnen), aber doch sehr sehenswert.

Ein 'Bahnhof' irgendwo im Nirgendwo
Ein "Bahnhof", irgendwo im Nirgendwo de Altiplanos.

Ganz besonders eindrucksvoll ist die Einfahrt nach La Paz, wenn der Zug spät nachts in einer ausladenden Kurve ins Lichtermeer der Stadt eintaucht.

La Paz
Straße in La Paz. Der Hang gegenüber ist bis oben an den Rand zersiedelt.

La Paz
Die höchstelegene Hauptstadt der Welt

Am nächsten Tag sehen wir uns die höchstgelegene Hauptstadt der Welt (3000-4000 m) genauer an: Im Vergleich zu Chile ein höchst chaotischer Verkehr, und die Straßen gehen entweder bergauf oder bergab - ebene Flächen sind in dieser Stadt an der Hand abzuzählen. Der Lebensmitteleinkauf artet zur Großaktion aus, denn man muß sich alles bei den Marktfrauen am Straßenrand zusammensuchen. Der erste Supermarkt der Stadt ist gerade eröffnet worden, dort finden wir wenigstens fünf Artikel gleichzeitig.
Unser nächstes alpines Ziel ist der Huayna Potosí. Gute Akklimatisation auf der Höhe von La Paz vorausgesetzt (besser etwas mehr), ist er der "schnellste" Sechstausender überhaupt. Am ersten Tag lassen wir uns bis zum Zongo-Stausee (4700 m) fahren und steigen zum Lager auf dem Gletscher auf 5400 m auf. Am zweiten Tag folgt die wenig schwierige, aber wunderschöne Besteigung des Gipfels (6088 m) in perfektem Wetter und bei tagsüber sehr angenehmen Temperaturen. Am gleichen Tag geht's runter bis zum Zongo-See und zurück nach La Paz.

Huayna Potosi über der Laguna Zongo
Huayna Potosí über der Laguna Zongo.

Morgendlicher Aufbruch zur Gipfeletappe des Huayna Potosi
Morgendlicher Aufbruch zur Gipfeletappe am Huayna Potosí.

Der Gipfelgrat am Huayna Potosi
Der Gipfelgrat am Huayna Potosí ist wenig schwierig, aber trotzdem nicht langweilig

Schilftransport auf dem Titikaka-See
Schilftransport und Segelboot auf dem Titikaka-See.

Schilfbootbau auf der Insel Suriqui
Schilfbootbau auf der Insel Suriqui im Titikaka-See

Zur Abwechslung nun ein Kultur-Tag: Die unvermeidbare Exkursion an den Titikaka-See (3800m) (das muß man ja schließlich gesehen haben) mit Besuch der Schilfboot-Insel. Da wir die Reiseführerin praktisch für uns alleine haben, bekommen wir im Gespräch auch viel Einblick in die "inoffizielle" Seite Boliviens. Beispielsweise gibt es hier (anders als in Chile) keine Schulpflicht, und die Anaphabetenquote liegt bei etwa 40%.

Nun muß wieder mal ein Berg dran glauben: Von La Paz fahren wir an den Illimani, sozusagen der Hausberg von La Paz. Vierzig Kilometer Luftlinie geben vier Stunden Fahrzeit, womit genug über das hiesige Straßennetz gesagt ist. Von der letzen Ortschaft erreichen wir in vier Stunden das erste Lager auf 4400 m. Am zweiten Tag sind tausend Höhenmeter geboten, bis ins Lager "Nido de Cóndores" (Kondornest) auf einem Felspfeiler. Den Weg zum Gipfel (6460 m) legen wir leider in eher mäßgem Wetter zurück, aber man kann es sich halt nicht aussuchen. Trotz der fehlenden Aussicht ist der Gipfel ein guter Erfolg, der auch technisch nicht unbedingt ganz einfach war.

Illimani
Illimani. Die Route folgt dem langen Felsrücken rechts der Bildmitte.

Die Nebengipfel des Illimani (ca. 6000 m)
Die Nebengipfel des Illimani (ca.6000 m), von unserem (Abstiegs-)Lager auf 4800 m gesehen.

Als Schlußpunkt unseres recht kurzen Besuchs in Bolivien gönnen wir uns eine Exkursion in die Yungas, die Ausläufer der bolivianischen Urwaldgebiete. Die Straße dorthin ist das Nonplusultra einer Bergstraße: Ungeteert und meist einspurig (aber mit häufigen Ausweichen) ist sie in einen oft 60 Grad steilen Hang gefräst, zum Talboden trennen uns meist fünfhundert bis tausend Meter. Linksverkehr ist obligatorisch hier, denn so sieht der Fahrer besser, wieviele Millimeter er noch Platz hat...

Straße in die Yungas
An einer der breiteren Stellen der Straße nach Coroico

In Coroico, dem ersten Ort im tropischen Hügelland, besuchen wir eine "Plantage", die wild kreuz und quer wachsend alles bietet, was wir uns von den Tropen so vorgestellt hatten: Bananen, Mangos, Zitronen, Mandarinen (viel besser als die, die wir zuhause kaufen), Kaffee und auch die berühmten Coca-Pflanzen. Letztere sind allerdings erheblich mickriger als wir uns vorgestellt hatten.

Bananenpflanzen vor dem Hügelland von Coroico
Bananenpflanzen vor dem Hügelland von Coroico

Nach der wiederum abenteuerlichen Rückfahrt nach La Paz (unser Busfahrer ist jetzt schon ein wenig müde - aber glücklicherweise haben wir jetzt die bergseitige Fahrspur) scheitern wir zum soundsovielten Mal an den ungeheuren Essensportionen bolivianischer Restaurants. Am Tag darauf geht es zurück nach Santiago de Chile und nach Hause.


Anmerkungen:
Diese Reise haben wir als Zweierteam vollständig selbst organisiert, noch kurzfristiger als die vorherige Chile-Reise (1994). Diesmal hatten wir nur 8 Tage Zeit inclusive Buchung des Flugs, weil unsere ursprünglich geplante Reise plötzlich abgesagt wurde. Gerne könen wir Tips zur Durchführung Eurer eigenen Reise geben. Vorher sind vielleicht auch die Links zum Bergsteigen von Nutzen.


Es gibt eine vollständige Version dieses Reiseberichts, die aber noch nicht fürs Internet aufbereitet ist. Sie enthät natürlich viel mehr Details und vielleicht nützliche Sachen, wenn man selbst dorthin fahren möchte.
Die lange Version des Berichts können Sie als Langfassung laden - 254 kBPDF-Datei laden (44 Seiten, 254 kBytes).
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Letzte inhaltliche Änderung am 25. Februar 1997 durch Hartmut Bielefeldt
Letzte formelle Änderung am 31. Januar 2000