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Tien Shan - Im "Himmelsgebirge"
Kurzfassung des Expeditionsberichts Khan Tengri 1995
in dieser Form in den Mitteilungen des DAV Überlingen 1996
(C) Hartmut Bielefeldt 1995
| Kurzzusammenfassung - Berge |
| Pik Tschapajev Nordgipfel | 6095 m | |
| Khan Tengri | 7010 m | Versuch bis ca. 6400 m |
| Pik Trehglavnyj ("Triglav") | 5500 m | bis 5110 m |
| Pik Pesni Abaja | 4901 m | |
| Utschitel' | 4527 m | |

Eine Imbiß-Jurte ("Rasthaus" wäre etwas zu viel gesagt) an der Straße von Almaty nach Karakol

Landschaft in Kirgisien
Das Ziel unserer diesjährigen Reise zu den Bergen der Welt liegt
zwischen China und den GUS-Republiken Kasachstan und Kirgisien. Hier im
Tien Shan, dem "Himmelsgebirge", finden sich die
nördlichsten Siebentausender der Welt - der Pik Pobeda
("Berg des Sieges") mit 7439 m und der Khan Tengri
("Herrscher des Himmels", eine großartige
Pyramide mit einem Gipfelaufbau aus Marmor) mit 7010 m.6995 m. Dummerweise
hat sich in den letzten Jahren die Erkenntnis durchgesetzt, daß der Khan Tengri nicht
7010 m hoch ist und damit nicht zur ganz großen Kategorie gehört,
aber das soll uns weniger stören.

Khan Tengri (7010 m)

südlicher Inylchek-Gletscher, Blick talauswärts
Nach der Anreise mit Flugzeug, sogenanntem Bus und Hubschrauber erreichen
wir Anfang August das Inylchek-Basislager auf 4200 m. Es liegt am riesigen
Inylchek-Gletscher, der sich etwa 60 Kilometer lang und meistens zwei bis
vier Kilometer breit durch das Gebirge drängt, einer der längsten
Gletscher der Welt. Auf der Randmoräne drängen sich ein paar
Holzhütten, die Toiletten mit der besten Aussicht der Welt, und ein
Küchenzelt, in dem wir von der russischen Köchin Nelly bestens
versorgt werden, wenn wir wegen Schlechtwetter nicht in die Hochlager
können. Das kommt hier leider öfter vor, das Wetter ist enorm
instabil. Fast jeden Tag kommt gegen Nachmittag eine Schlechtwetter-Walze
aus Westen herangerauscht, und dann tobt und stürmt es für eine
Stunde, manchmal auch nur für zehn Minuten. Aber dieses Sauwetter ist
allemal unangenehm genug, sodaß man eine mehrtägige
Bergbesteigung nur sehr schwer planen kann.

Kurz nach Durchzug einer Schlechtwetterfront.

Im Aufstieg zum ersten Hochlager am Khan Tengri.
Im Hintergrund Inylchek-Gletscher und Pik der Militärtopographen (6860 m), über den die chinesische Grenze verläuft.
Nach einigen Tagen unternehmen wir den ersten Vorstoß am Khan Tengri.
Dabei muß zuerst auf 5000 m die "Mutter aller Spalten"
überquert werden. Der einzige Durchgang ins obere Gletscherbecken
erfordert einen waghalsigen Schritt über eine Spalte, die sicher
tiefer als eine Seillänge ist. Und sie wird auch jeden Tag ein wenig
breiter. Oben, auf 5800 m, graben wir uns Schneehöhlen wie alle unsere
Nachbarn, und gehen zur Höhenanpassung am nächsten Tag auf den
6095 m hohen Pik Tschapajev-Nordgipfel. Den Hauptgipfel hat Lagerleiter
Sergej verboten, er möchte nicht, daß wir mit der
Gipfelwächte talwärts rauschen.

Pik Tschapajev, allerdings von ganz unten aus gesehen.
Der Gipfelangriff einige
Tage später bleibt im zweifelhaften Wetter dieser Region stecken: so
schlecht sieht es anfangs nicht aus, aber es zieht sich für einige
Tage zu. Nun ist es auch schon Mitte August, im Basislager erwartet man
bereits den Winter. Häufig gibt es ein sehr eigenartiges Wetter:
Unterhalb 6000 m ist alles klar, aber oberhalb hält sich eine
zähe, undurchsichtige Wolkendecke. Das wird auch der Grund gewesen
sein, weshalb der (vom Tal aus sichtbare) Khan Tengri bereits 1933 bestiegen
wurde, der nur 20 km entfernte, viel höhere Pik Pobeda erst 1947
"entdeckt" und 1956 bestiegen wurde. (Der Pobeda-Vorgipfel wurde
1938 versehentlich bestiegen, man wollte wohl auf einen anderen Berg und
hatte sich im Nebel verlaufen.)

Pik Pobeda vom Lager aus gesehen. Diese Aussicht hat man, wenn man auf dem
Donnerbalken sitzt.

Der Pik Maxim Gorki (6050 m) thront direkt über dem Basislager
Süd-Inylchek.

Schlechtwetter im Basislager.

Pik Pesni Abaja (4901 m), am anderen Gletscherufer
Wir gehen also die etwas kleineren Berge in der Gegend an, so den
"Triglav", den Dreigipfligen (5500 m) und den Pik Abaja (4901 m),
der eine kühne Gipfelwächte trägt, die offensichtlich nur den
komplett Wahnsinnigen zum Besteigen vorbehalten ist. Die Überquerung
des Gletschers stellt sich als ein größeres Abenteuer heraus,
mit reißenden Flüssen und tiefen Eis-Schluchten.

Zahme Bergziege im "unteren" Lager Maida Adir auf 2500 m, wo man
vom Hubschrauber in Lastwagen umsteigt (falls der Lastwagen auch kommt...)
Nach diesen hochalpinen Abenteuern fahren wir in ein Gebirge nahe Bishkek,
der Hauptstadt Kirgisiens. Hier sind die Berge "nur" 4800 m hoch,
und es erinnert alles ein wenig an das Montblanc-Gebiet. Der Berg, den wir
besteigen, ist allerdings von Süden her eine absolut einfache
Schutthalde und von Norden her komplett vergletschert, der
"Lehrer". Wohl so genannt, weil man einen schönen
Überblick über das Gebirge hat. Er ist genausohoch wie der
Lyskamm, 4527 m.

Lagerplatz Ak-Saj (3300 m) im Ala-Artscha-Tal

Kurz vorm Gipfel des "Lehrers"
Nebenbei können wir noch ein bißchen
im Issyk-Kul-See baden. Obwohl er auf 1600 m liegt, friert er im Winter
nie zu. Der See ist 15 mal so groß wie der Bodensee und hat wunderbar
klares und warmes Badewasser.
Am Ende unserer Reise besuchen wir Bishkek,
das einen eher dörflichen Eindruck macht, und nach einer Fahrt durch
sieben Stunden Steppe und Nichts Alma-Ata (neu: Almaty), das im August noch
die Hauptstadt Kasachstans war. Neuerdings haben die Kasachen ihre
Hauptstadt in Aqmola, das eher im Zentrum des Landes liegt: Almaty liegt
nur 40 km von der kirgisischen Grenze entfernt. Das ist für ein Land
von der fünffachen Größe Deutschlands doch etwas sehr am
Rande. Das Bergpanorama des Flughafens Almaty ist trotzdem einzigartig,
selten sieht man Viertausender so nahe an der Rollbahn.

Markthalle in Almaty
(c) Hartmut Bielefeldt 1995
Anmerkungen
Diese Reise machten wir als Teilnehmer an einer
kommerziellen Expedition.
Den Namen des Veranstalters dieser Reise
erwähnen wir hier nicht, da es seinem Ansehen sicher nicht
zuträglich wäre. Verschiedene organisatorische Mängel
betreffend der zur Verfügung gestellten Ausrüstung vom Zelt
bis zu Kocher, Lawinenschaufel(n) und Hochlagernahrung führten uns
zu einem eindeutigen Urteil. Sollten Sie dennoch am Namen dieses
Veranstalters interessiert sein, senden Sie mir bitte eine kurze Mail,
und Sie werden vor zukünftigen Fehlplanungen gefeit sein.
P.S.: Es handelt sich dabei nicht um den Veranstalter, mit dem wir
die vorherigen Expeditionen 1992 und 1993 gemacht haben, und wir haben auch nie wieder dort gebucht. Der Veranstalter soll mittlerweile auch pleite gegangen sein.
Den ausführlichen Reisebericht (27 Seiten, 196 kBytes) können Sie als PDF-Datei laden.
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Letzte Änderung 18. April 2000 durch Hartmut Bielefeldt
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