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Lauteraarhorn (4042 m)

Bericht
27.-28. Juli 2001

Das Lauteraarhorn ist - seiner Lage wegen - nicht gerade ein Publikumsmagnet. Der einzig sinnvolle Übernachtungsort, das Lauteraarbiwak, liegt volle 19 Kilometer vom Startpunkt entfernt. Kaum irgendwo ist man in Mitteleuropa soooo weit weg von allem. Wer aber Viertausender sammelt, muss da eben auch mal hin. Und es ist ja in gewisser Form auch ein Erlebnis (ggf. in der Form von Plattfüßen).
Am Freitag marschieren wir durch die Berner Arktis, 6 1/4 Stunden für die ganze Strecke. Das Wetter ist bestens, eigentlich schon zu gut, denn es ist ziemlich warm und entsprechend schweißtreibend. Immerhin aber ist diese 19 km lange Etappe eindrucksvoll, weil man dabei einen Eindruck von der Weite des Gebiets bekommt. Interessant auch: Unterhalb des Gletschers steht ein recht original nepalesischer Chörten (Steinhaufen) mit Gebetsfahnen. Wer hat den bloß dort aufgestellt?
am Grimselsee
Am Grimselsee
vor dem Gletscher
Unerwartetes vor dem Gletscher
Lauteraarhorn
Das Laueraarhorn ist in Sicht, aber wir gehen ins linke Seitental - noch 9 km bis zum Biwak.
Lauteraarbiwak
Das Lauteraarbiwak. Im Hintergrund unser Ziel, das Couloir ist zu erkennen.
Am Samstagmorgen geht es um halb drei los. Nach gut einer Stunde sind wir an einer Stelle, die wir als Einstieg ins Couloir identifizieren. Der Höhenmesser zeigt 2960 m. Es geht eine steile Rinne hoch, erst Schnee, dann Geröll, und danach wieder Schnee und Eis. Plötzlich wird es flach, und es dämmert uns, dass die Rinne vielleicht doch nicht die richtige gewesen ist. Nach einer Querung nach links durch einige Spalten sind wir endlich am richtigen Couloir.
Durch guten, noch eingermassen festen Schnee geht es aufwärts, etwa 40° steil. Weiter oben steilt sich das Couloir auf, und der Schnee trägt streckenweise schlecht. Die beiden Schweizer, die mit uns aufgebrochen waren, gehen links im Fels hoch; wir bleiben im Schnee.
Auf 3900 m endet das Couloir am Grat, es ist acht Uhr. Von hier folgt man dem felsigen Grat nach links zum Gipfel, und da kommt auch schon die erste Gemeinheit. Nicht etwa auf dem Gratrücken geht es hoch, man muss erst mal etwas absteigen und links durch eine Rinne hoch, um eine Steilstufe zu umgehen. Danach folgt hübsche Kletterei im Bereich II, manchmal eher II+, und stellenweise auch ein bisschen luftig. Der Fels ist aber trocken und gut.
Nach einer guten Stunde Turnerei ist der Gipfel erreicht. Das Gipfelbuch liegt übrigens ganz gut versteckt in einer Metallkassette (mit Blitz-Einschlagspuren) in einer Plastiktüte. In diesem Jahr sind nur ein paar Einträge vor uns, entweder ist hier wirklich so wenig los, oder die anderen haben das Buch einfach nicht gefunden.
Die Aussicht rüber zum Schreckkhorn ist sehr eindrucksvoll, und dahinter kommt gleich gar nichts mehr. Nur unendlich weit unter uns liegende grüne Wiesen und Dunst. Ein schöner Gipfel, ein paar Leute nur, Sonnenschein und Aussicht. Da hat sich der weite Weg gestern und das frühe Aufstehen heute morgen wenigstens gelohnt.
im Couloir
Aufstieg im mittleren Teil des Couloirs
am Gipfelaufbau
Am Gipfelaufbau
Blick aufs Schreckhorn
Blick aufs Schreckhorn
Runter geht's denselben Weg wie rauf. Im Fels dauert das einfach eine Weile, weil man eben entsprechend vorsichtig abklettert. Das Couloir ist in sehr gutem Zustand, der Schnee ist weich, aber nur knapp knietief. Alles hält sehr gut, so kann man recht zügig absteigen. Nur eine Stunde für die neunhundert Meter Couloir. Durstig erreichen wir um halb eins wieder das Biwak.
Drei Tage hatten wir geplant, weil wir ja wussten, dass das Lauteraarhorn a.A.d.W. liegt. Was wollen wir noch tun? Der Schnee ist nicht so toll, dass man sich die Studerhorn-Nordwand zutrauen könnte. Der Zustieg dorthin schaut auch nicht so gut aus, da sind einige hübsche Spalten im Weg. Entweder gehen wir morgen über das Grunerhorn oder Scheuchzerhorn zur Oberaarhütte und von dort talauswärts, oder wir steigen einfach direkt wieder zum Grimselsee ab. Da wir fürs Wochenende auf dem Biwak eher viel Betrieb (und eine entsprechend schlechte Nacht) erwarten, entscheiden wir uns für den sofortigen Abstieg.
So watscheln wir, nach erfolgter Lauteraarhorn-Besteigung, auch noch die 19 km talauswärts. Keine Frage, wie unterhaltsam das ist. Besonders die Gegend zwischen 2400 m und dem Seeende ist kaum zu beschreiben. Gegensteigungen, loser Schotter, wieder mal den Weg verloren....
endlich - See in Sicht
Der See ist in Sicht, jetzt sind's nur noch zehn Kilometer

Ein Glück, dass das ja irgenwann mal ein Ende haben muss. Ja, irgendwann mal. Der Weg am See entlang erfreut durch immer wieder kürzere und längere Gegensteigungen. Außerdem zieht es sich zu, die Wolken kommen langsam immer tiefer. Endlich der grosse Wasserfall, jetzt ist es nur noch eine halbe Stunde. Fünfeinhalb Stunden nach Abmarsch am Biwak ist das Grimsel Hospiz erreicht. Es regnet in Strömen, und es ist nun schon abends um sieben.
Wenn man aber schon mal seit 16 Stunden unterwegs ist, kann man ja noch ein paar dranhängen. Dreieinhalb Stunden später erreichen wir wieder unsere Heimat am Bodensee, und da wartet ein bequemes Bett und die Aussicht auf einen erholsamen Sonntag.
Übrigens: Trotz schönsten Wetters sind am Samstagnachmittag höchstens zwei Leute zum Biwak aufgestiegen. Überfüllung wird es da also, trotz der besten Verhältnisse am Berg, nicht gegeben haben.

Praktische Hinweise

Hütte
Aarbiwak, 2731 m, SAC. 17 Plätze, kein Hüttenwart. Außer einem Herd ist alles vorhanden. Für den Notfall gibt es aber einen Not-Gaskocher und auch Kartuschen für den eigenen Kocher (die dann natürlich zu bezahlen sind!). Wasser nahe des Biwaks, außer evtl. im Spätsommer.
Das Biwak hat einen Notfunk, kein Telefon. Handy-Empfang wie hinterm Mond.
Hüttenweg
Vom Grimsel-Hospiz (1960 m) folgt man dem Weg auf der Südseite des Grimselsees bis zum Seeende (2 Std.). Dann weiter auf den Gletscher, erst dem Weg der Lauteraarhütte folgend (weiß-blau-weiß markiert). In puncto Wegführung ist das erste Stück ein ziemliches Desaster, es geht durch wüstes schuttbedecktes Gletschergelände meist ohne wirklich erkennbaren Weg. Man bleibt auf der Mittelmoräne, geht an der Lauteraarhütte vorbei und zweigt dann bei ca. 2300-2400 m ins linke Seitental ab. Bald findet man dort die Markierungsstangen, die zum Biwak leiten. Das (im Sinne des Aufstiegs) rechte Gletscherufer ist durchaus nicht spaltenfrei, bei Schnee ist etwas Vorsicht geboten. Das Biwak sieht man erst ziemlich spät auf einer Stufe im Hang rechts oberhalb.
Höhendifferenz vom Grimsel-Hospiz ca. 700 m, dazu kommen etwa 200-300 m Gegensteigungen am See und auf dem Gletscher. Insgesamt 6-7 Std.
Aufstieg
Vom Biwak die erste Stufe runter, so dass man dem Gletscher taleinwärts folgen kann. Der Fuß des Couloirs ist in der Dunkelheit schwer zu finden, es sollte erst bei 3020 m steiler bergauf gehen. Vorher gibt es mindestens zwei Rinnen, die auch einigermassen "vernünftig" aussehen, aber diese führen weiter oben zu ziemlichen Umwegen. Besser findet man gleich die richtige Rinne. Diese dann 900 m hoch, auf 3900 m erreicht man den Grat neben einem markanten Turm auf der rechten Seite. Nun nicht dem Grat folgen, sondern linkshaltend auf gleicher Höhe queren, in eine schuttige Rinne. Diese hoch, dann kommt man hinter einem senkrechten Abbruch (den man somit umgangen hat) wieder auf den Grat. Danach dem Grat folgend, ggf. rechts ausweichend, zum Gipfel, II+.
Die Gesamtschwierigkeit ZS-, die im SAC-Führer angegeben ist, scheint angesichts der Länge des doch ziemlich steilen Couloirs gerechtfertigt. Zeit (für uns) ca. 7 Std.
Abstieg
Wie Aufstieg. Wenn der Schnee im Couloir zu unzuverlässig erscheint (auch im Sommer evtl. Lawinengefahr!), in den (orogr.) rechten Felsen runter. Unsere Zeit: knappe 3 Std. zum Biwak.
Führer/Karte
Führer:
  • SAC, "Hochtouren Berner Alpen" (CD-ROM, 2000), Routen 500 (Aarbiwak), 528
  • SAC, "Berner Alpen 5, Von Grindelwald zur Grimsel" (1996), Routen 1 (Aarbiwak), 157
Landkarte:
  • 1:50000 LKS 254S "Interlaken", 264S "Jungfrau", 265S "Nufenenpass"
  • 1:25000 LKS 1229 "Grindelwald", 1249 "Finsteraarhorn", 1250 "Ulrichen"
Anmerkung
Zwei Wochen nach unserem Besuch dort ereignete sich im Couloir ein Mitreissunfall, bei dem vier Bergsteiger tödlich abgestürzt sind. Die Verunfallten galten als ausgesprochen erfahren, Leichtsinn oder Planungsfehler sind als Unfallursache recht unwahrscheinlich. Das Lauteraarhorn ist also kein leichter Viertausender. Sowohl die Länge der Tour als auch die anhaltenden Schwierigkeiten fordern routinierte und ausdauernde Bergsteiger, und auch das ist letztendlich keine Garantie, dass nichts passiert.
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© 2001 Hartmut Bielefeldt

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Letzte Änderung am Freitag, 9. August 2002 durch Hartmut Bielefeldt