Pamir-Expedition 1993:
Dem Kommunismus aufs Dach gestiegen
Kurzfassung des Reiseberichts Pamir-Expedition 1993
veröffentlicht in den Mitteilungen des DAV Überlingen 1994
© Hartmut Bielefeldt 1993
| Kurzzusammenfassung - Berge
|
| Pik Petrovski | 4829 m |
| Linker Talwächter | 4750 m |
| Pik Vorobjev | 5691 m |
| Pik Korzhenevskaja | 7105 m |
| Borodkin-Pfeilergipfel | 6240 m |
| Pik Kommunismus | 7495 m |

Basiliuskathedrale in Moskau (wieder mal...)
Die ehemalige Sowjetunion hat schon letztes Jahr bewiesen, nicht nur
Kreml, Taiga und Tundra zu bieten.
Das "Dach der Welt", der Pamir, gehört zu wesentlichen
Teilen dazu. Dort liegen immerhin fünf Siebentausender. Der
Pamir war auch dieses Jahr unser Ziel. Die Herzlichkeit der Russen, Kirgisen
und Tadschiken ist immer wieder ein Grund für einen Besuch. Und
die Berge sind es allemal wert.
Nach dem Flug über Moskau und
Taschkent ins Basislager Atschik Tasch am Pik Lenin akklimatisieren wir uns dort
mit der Besteigung einiger Viertausender und fliegen nach einigen
Tagen mit dem Hubschrauber in das wirklich einzigartig gelegene Basislager
"Moskvin", das auf einer Moräne zwischen den wilden
Abbrüchen zweier Gletscher auf 4400 m gelegen ist.

Beladen des Hubschraubers in Taschkent

Leicht überladener Hubschrauber auf dem Weg nach Atschik Tasch.

Kugelprimel beim Pik Lenin-Basislager Atschik Tasch

Pik des XIX. Parteitags der KPdSU
(Der heißt tatsächlich immer noch so)

Nahe Atschik Tasch wird eine Jurte aufgestellt.

Der Hubschrauber verläßt das Lager Moskvin wieder.

Lager Moskvin, im Hintergrund der Pik Kommunismus
Unser allererstes Ziel ist ein Fünftausender nahe dieses Lagers,
der Pik Vorobijev, übersetzt "Spatz". Diese 5691 m
Gipfelhöhe kosten uns zwar am Anfang noch ganz schön Atem,
aber zwischen den Riesen im Norden und Süden ist das wirklich nur
ein Spatz.

Auf dem Gipfel des Pik Vorobijev, Blick zu Pik der Vier, Pik Moskva und Pik Klara Zetkin.

Pik Korzhenevskaja, vom Vorobijev aus gesehen
Gleich darauf, hoffentlich gut akklimatisiert, gehen wir den ersten
davon an, den Pik Korzhenevskaja. Er wurde um die Jahrhundertwende vom
Topographen Korzenevskij nach seiner Frau benannt. Wir erleben viel
Schlechtwetter an diesem Berg.

Bei Schlechtwetter gibt's auch in der Küche genug zu tun - wir falten tadschikische Ravioli.

unsere Zelte nach Schlechtwetter und einem Hubschrauber-"Angriff": Dem Piloten macht es wohl besonders Spaß, beim Verlassen
des Landeplatzes ein paar Meter über den Zelten hinwegzufegen.
Vier Tage nach dem Aufbau des ersten
Lagers endlich eine Wetterbesserung, Wiederaufstieg. Am nächsten
Tag folgt eine lange Querung, dann erreichen wir den Südgrat mit
der IIIer-Schlüsselstelle und schlagen auf 6400 m (nach mühsamen
sieben Stunden) das Lager auf. Auch am nächsten Tag ist das
Wetter gut, wir folgen dem Firngrat Richtung Gipfel. Das
Schlechtwetter ist aber doch schneller. Ab 6800 m sitzen wir in der
Suppe; trotzdem steht eine Umkehr nun nicht mehr zur Diskussion. Nach
sieben Stunden erreichen wir den Gipfel, 7105 Meter und Null Sicht. Die
Freude über tausend Gipfel in der Aussicht wäre größer,
aber die Freude an der eigenen Leistung ist eigentlich auch groß
genug.

Pik Kommunismus, vom Lager 2 am Pik Korzhenevskaja gesehen
Am nächsten Tag steigen wir wieder bis zum Basislager Moskvin ab,
der anstrengende Gipfeltag macht sich bemerkbar. Werden wir auch den
zweiten Siebentausender noch packen? Wir haben sechs Tage Zeit, also
entweder - oder. Wir müssen den Pik Kommunismus schneller
schaffen als vorgesehen.

Eine der schönsten Abendstimmungen, die man in der Welt wohl erleben kann:
Der Pik Kommunismus thront gute 3000 Meter über uns;
in der rechten Bildhälfte der Borodkinpfeiler.

Aufbruch zum Pik Kommunismus

Claudia im "vorgeschobenen Basislager"

Rollo und Jupp
Nach einem Ruhetag gehen wir abends bis 4700 m zum letzten
gemütlichen Lagerplatz. (Bis dorthin können wir auch noch
das Bier aus der Basislager-Bar transportieren und es uns wirklich
gemütlich machen.) Am nächsten Tag wird es ernst: Uns
erwarten knackige 1600 Höhenmeter über einen meist wenig
schwierigen verfirnten Pfeiler, mit einigen mit Fixseilen versicherten
IIIer-Stellen. Spät abends schlagen wir auf dem großen
Pamir-Plateau auf etwa 6000 m unser Lager auf.

Der Borodkinpfeiler
Am nächsten Tag eher gemütliches Aufstehen. Siebenhundert Höhenmeter sind reichlich genug nach gestern;
auf 6600 m bauen wir unser zweites Lager halb schräg auf,
denn es ist wenig Platz. Immerhin - normalerweise ist hier Lager 3.
Nach schlecht durchschlafener Nacht stehen wir um sechs auf und gehen um
sieben los. Um das ungewöhnlich gute Wetter nicht überzustrapazieren,
wollen wir schon heute auf den Gipfel gehen. Nach Spurarbeit bis 6900 m wird der
Schnee fester, und man kann meistens um die zehn bis zwanzig Schritte gehen, ohne
auszuruhen. Die Sonneneinstrahlung ist unerwartet mörderisch in diesem Hang.
Trotzdem brauchen wir nur vier Stunden für 500 m.

In der Steilflanke zum Pik Kommunismus.

Am Gipfelgrat des Pik Kommunismus, auf 7400 m.
Die restlichen hundert Meter Firngrat vergehen wie im Flug: Oben
erwartet uns sogar ein Gipfelkreuz, zwei zusammengebundene Zeltstangen.
7495 Meter, etwa -5 bis -10 Grad, warm genug, um es sich
gemütlich zu machen. Die Aussicht ist ein bißchen von den
aufsteigenden Wolken begrenzt, aber mit 50 Kilometern sind wir gerne
zufrieden. Schön ist die Sicht dreitausend Meter bis aufs
Basislager hinab, fünftausend Meter tiefer die Täler, die
das Gebirge begrenzen. Wir steigen am selben Tag ins Plateau auf 5900 Meter
ab und am nächsten Tag bis zum Basislager.

Lager im Pamirplateau, 5900 m
Trotz seines vorbelastend klingenden Namens ist der Pik Kommunismus
einer der schönsten (und nicht unbedingt einfachsten) Siebentausender.
Wir haben wieder einmal eine großartige Bergwelt mit sicher noch
vielen Möglichkeiten kennengelernt.
Vom Lager Moskvin
fliegen wir zurück nach Taschkent, das wir nach einem Tag
Stadtbesichtigung in Richtung Deutschland wieder verlassen.
NB.: Taschkent wurde 1966 von einem Erdbeben fast
vollständig zerstört. Wer an Kultur vor diesem Datum
interessiert ist, dem sei eher Samarkand empfohlen (siehe
Pik Lenin-Expedition). Eine "heutige" Stadtführung von
Taschkent umfaßt im wesentlichen die wunderhübschen
Plattenbauten der neuen Ministerien der Republik Usbekistan.
Vielleicht gibt es als Alternative einen Freibad-Besuch - gehen Sie
besser ins Bad.

Die "Hotelküche" in Taschkent
(mit den bescheidensten Mitteln hat man hier sicher mehr als in manchen "sowjetischen" Häusern erzielt)

Die Moskva in Moskau

Roter Platz in Moskau
Diese Reise unternahmen wir 1993 als Teilnehmer einer 10-köpfigen
kommerziellen Expedition, organisiert von
Hauser Exkursionen, München.
Auch heute (1996) noch sehen wir sie als die "perfekteste"
unserer bisherigen Fernreisen. Nicht nur, weil wir am Ende doch beide
Siebentausender besteigen konnten (und insgesamt 8 von 10 Teilnehmern!),
sondern auch weil die Gruppe sich äußerst harmonisch
zusammengefügt hat und unser Expeditionsleiter (Rollo Steffens)
sich perfekt als "Erster unter Gleichen" in die Gruppe wie
auch in die russisch/lokale Mannschaft einfügte.
Der Pik Kommunismus (bis 1986 Pik Stalin) wurde im Juli 1998 zu "Ismoil Somoni" umbenannt,
zu Ehren des Gründers des ersten Samanidenstaates vor 1100 Jahren, in dessen Nachfolge sich
die heutige tadschikische Republik sieht.
Auch von dieser Expedition kann ich einen detaillierten Bericht bieten. Er enthält 25 Seiten (184 kBytes).
Sie können ihn einfach
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Sagen Sie auch bitte Bescheid, falls die Bilder zu undeutlich herauskommen sollten, dann versuche
ich vielleicht doch ein etwas größeres Format.
Email:Hartmut Bielefeldt
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Letzte Änderung am 17. Oktober 1998 durch Hartmut Bielefeldt